Abstillen ist nichts für Feiglinge – unser Weg

Nachdem mein Artikel zum Abschied unserer Stillbeziehung auf so große Resonanz gestoßen ist und mich viele sehr liebe Nachrichten erreicht haben, möchte ich in diesem Artikel beschreiben, auf welche Weise wir abstillen. Vorab ist zu sagen, dass dies nicht den Königsweg beschreibt. Ich bin keine Stillberaterin und einiges hätte man vielleicht besser oder zumindest anders machen können. Ich beschreibe lediglich, wie es für uns in unserer Situation gepasst hat.

Wenn du gerade an einem ähnlichen Punkt bist wie ich, ist es vielleicht spannend zu lesen, wie andere das Abstillen angehen, letztendlich weißt du aber ganz allein (na gut, und dein Kind) wie und wann das Abstillen bei dir ablaufen soll.

Bitte höre auf dein Herz und dein Bauchgefühl. Diese beiden sind deine besten Berater. Wenn du nur kurz stillst, weil du dich damit nicht gut fühlst, ist das völlig in Ordnung! Wenn du eine Langzeitstillmutter bist, dann hat das genauso seine Berechtigung. Kein Mensch hat das Recht, dir in eure Stillbeziehung reinzuquatschen. Stillen ist mehr als Ernähren und ich glaube, das ist in meinem letzten Artikel sehr deutlich geworden. (Zumindest hoffe ich das). Es ist Liebe, Bindung, Vertrauen, Intimität. Der Schritt zum Abstillen ist etwas sehr Persönliches. Lass dir das nicht nehmen, solange du und dein Kind dich gut damit fühlt. Wenn die Zeit reif ist, spürst du das ganz instinktiv. Es ist immer gut, eine Stillberaterin oder erfahrene Hebamme hinzuzuziehen, sie können einem gute Tipps geben. Wenn du in deinem Abstillprozeß unterstützt werden möchtest, lohnt es sich auf jeden Fall, jemanden vom Fach zu kontaktieren.

Warum Abstillen?

Die Gründe fürs Abstillen können ganz vielfältig und individuell sein. Auch hier gilt: du musst dich nicht rechtfertigen. Ob du körperlich keine Kraft mehr hast, deinen Körper wieder für dich haben möchtest, nicht mehr in so starker Abhängigkeit leben möchtest, ein eifersüchtiges Geschwisterkind hast oder, oder, oder.

Bei meinem ersten Kind habe ich abgestillt, weil wir uns ein weiteres Kind ( was ja auch geklappt hat, doppelt, ha!) gewünscht haben. Ich gehöre zu den Frauen, die keinen Zyklus haben, solange sie stillen. Meinen Sohn habe ich ziemlich genau mit einem Jahr abgestillt.

Die Zwillinge stille ich nun ab, weil ich vor allem das Gefühl habe, das ich keine Reserven mehr habe. Zwei Kleinkinder von 17 Monaten zu stillen hat mich mehr und mehr angestrengt.

Unsere Stillbeziehung

14 Monate lang habe ich die Zwillinge komplett nach Bedarf gestillt. Als sie etwa 7 oder 8 Monate waren, fingen sie mit ersten Beikostversuchen an. Ich habe ganz unabhängig davon, wieviel sie gematscht gegessen haben, weitergestillt, soviel sie wollten. Wenn mich jemand gefragt hat, wie oft ich stille, konnte ich das nie beantworten.

(Anekdötchen am Rande: eine sehr dumme Person hat mir mal vorgeworfen, dass die Zwillinge auf diese Weise ja viel zu eng an mich gebunden würden und ganz schlechte Esser werden würden, weil sie ja wüssten, dass sie die Brust bekommen. Da müssten sie sich ja gar nicht auf „richtiges Essen“ umstellen. Aber schau an: Die Zwillinge essen ganz hervorragend und alles außer Spargel. Und gebunden an mich sind sie tatsächlich. Und an ihren Papa. Und an ihren großen Bruder. Puh. Glück gehabt.)

Auch nachts hab ich nach Bedarf gestillt, was jetzt nicht so toll und entspannt war, wie es tönen mag. Die Nächte waren die Hölle. Die Zwillinge haben nämlich stündlich bis alle 2 Stunden nach der Brust verlangt, teilweise versetzt. Ja ja, rechnet ruhig nach, es ist tatsächlich so, dass ich in den 14 Monaten bis zur ersten Umstellung verdammt wenig geschlafen habe. Am schlimmsten waren die Nächte, wo ich mal  7 Minuten und mal 12 Minuten geschlafen habe. Das ist schlimmer als gar nicht schlafen. Wenn es gut lief, schlief ich 4 bis 5 Stunden. Die allerdings nicht am Stück.

Entscheidung zum Abstillen

Da ist es sicher nachvollziehbar, dass ich nach einer gewissen Zeit und kurz vor einem waschechten Burnout gesagt habe, dass das erste, was sich ändern musste, die Nächte waren. Jetzt war mein Mann an der Reihe. Wir teilten also das Familienbett. Ich schlief mit dem Goldkind in einem Bett und mein Mann mit den Zwillingen im großen Bett. Er hat das wirklich toll gemacht. Natürlich waren die ersten zwei Nächte eine Umstellung und ich lag zähneknirschend im Raum nebenan, wenn ich hörte, wie die Zwillinge schimpften. Das Goldkind schaute mich bisweilen kuhäugig an und fragte ins Dunkel: „Mama, Babys weinen! Mama doch Brust geben?“. Da braucht man echte innere Überzeugung, das kann ich sagen. Mein Mann hat die Babys super getröstet und ihnen etwas vorgesummt und allein die Tatsache, dass ich nicht im Raum war, hat schon geholfen. Ich musste da totales Vertrauen haben, dass er das schon wuppen würde. Hat er auch. Er hat seine ganz eigenen Beruhigungstechniken wie Händchen auf eine bestimmte Art halten oder Köpfchen streicheln entwickelt. Die nächtliche Umstellung haben wir dann sanft eingeleitet, auch für meine Brust.

Ich finde es sehr wichtig, das Kind in seinem Frust zu begleiten, wenn es nicht an die Brust kann wie gewohnt. Ob das jetzt von mir oder vom Vater aus geschieht, ist meiner Meinung nach nicht so entscheidend. Entscheidend ist, dass es spürt, dass es nicht allein gelassen wird und es sich im Zweifelsfalle auch ohne Brust, allein durch liebevolle Zuwendung beruhigen kann. Schreien lassen ist und wird für uns nie eine Option sein.

Anfangs brachte mein Mann mir eines der Kinder ein oder zweimal in der Nacht und nahm sie dann nach dem Stillen wieder mit zurück zu sich ins Bett. Das haben wir dann innerhalb von drei Wochen so reduziert, dass die Zwillinge durchschliefen. Ich war wie ein neuer Mensch. Hallelujah!

Tagsüber stillte ich erstmal weiter nach Bedarf und reduzierte auch da ganz langsam, bis wir bei etwa 3 Stillmahlzeiten am Tag waren. Dann habe ich die Stillmahlzeit am Mittag weggelassen. Da aßen sie mittlerweile schon komplett mit vom Familientisch und waren auch satt.

Der nächste Schritt war das abendliche Stillen, auch da hat mein Mann dann übernommen. Aktuell stille ich ganz vereinzelt abends und morgens, aber das schleicht sich gerade zunehmend aus, so dass es wohl in den nächsten 2 Wochen vorbei ist. Die Stillmahlzeit morgens schaffe ich noch nicht zu ersetzen, da meine Brust noch sehr viel Milch produziert, da ist das Anlegen eine Erleichterung.

Auf Anraten meiner Stillberaterin trinke ich jetzt viel Pfefferminztee (Salbeitee hilft auch gut, aber den kriege ich nicht runter), nehme Phytolacca und zusätzlich Pulsatilla (mein Konstitutionsmittel). Ich habe auch B-Vitamine in der Apotheke besorgt, um mein dünnes Nervenkostüm etwas aufzupäppeln.

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Die emotionale Kehrseite

Ich möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass mir das Abstillen sowohl bei meinem ersten Kind als auch jetzt emotional sehr zugesetzt hat. Mir ist das nicht peinlich und ich finde es nur ehrlich, davon hier zu schreiben. Zwischendurch hatte ich auch große Zweifel, ob es klug ist, abzustillen oder ob ich einfach so lange weitermache, bis die beiden sich selber abstillen. Meinetwegen auch mit 4 oder 5 Jahren erst. Aber diese Überlegungen hielten nur kurz an und das Gefühl, dass es Zeit ist abzustillen, war letzten Endes stärker. Und darauf habe ich gehört.

Ich kann mich sehr gut erinnern, dass ich Rotz und Wasser geheult habe, als mein erstes Kind das erste Mal ohne Brust total relaxt eingeschlafen ist. Mein Mann kam heim und sah mich völlig verheult auf dem Sofa sitzen und war sagte nur mitfühlend: „Oh weh. Trennungsschmerz?“ Und den hatte ich wirklich.

Und auch dieses Mal war es für mich eine gefühlsmäßige Achterbahn. Mittlerweile habe ich mich ganz gut gefangen, weil ich viel darüber geredet habe und mich homöopathisch gut aufgestellt habe. Aber ich war ein ganzes Weilchen ziemlich gereizt, traurig, dünnhäutig und niedergeschlagen. Und ich bin sehr froh, dass mein Umfeld so verständnisvoll reagiert hat. Es ist eben ein Abschnitt und auch hormonell erneut eine Umstellung, das darf man nicht unterschätzen.

Outro

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bedanken. Ich habe so viele unfassbar tolle Nachrichten und Rückmeldungen bekommen, damit hätte ich niemals gerechnet. Das bedeutet mir wirklich viel. Wenn ich nicht alle beantwortet habe, seht es mir nach. Mit meinen drei Kindern ist immer nur sporadisch Zeit um zu schreiben. Ich dachte, in einem Blogartikel gehe ich besser auf alles ein. Ich hoffe, ich habe alle Fragen soweit beantwortet, die sich gesammelt haben. Falls nicht, schreibt mich gerne an, ich bemühe mich immer um zeitnahe Beantwortung.

Herzlichst

Pluripara

 

 

 

2 Gedanken zu “Abstillen ist nichts für Feiglinge – unser Weg

  1. katinka1973 schreibt:

    Du schreibst toll……gefällt mir sehr. Hammer Zwillinge stillen und sogar so lange, das verdient Anerkennung. Du schreibst so voller Liebe und ich kann es fühlen wie schwer es für Dich war, schön dass Du es Dir nicht leicht gemacht hast. Es ist ein Abschnitt das Stillen und ich weiß jetzt beim dritten Kind wie sehr man es genießen sollte, bei meinen ersten beiden Kindern (18 und 15) habe ich noch nach der alten Methode gestillt, nach Plan, nach Zeit, nach 6 Monaten abstillen usw, bei meinem Sohn ( 6 Monate) mache ich alles anders, intuitiv. Aktuell ist es anstrengend aber ich möchte ihn wirklich so lange stillen wie ich es will und natürlich er. Ich vermute es wird für mich ähnlich schwer aufzuhören wie bei Dir.
    Liebe Grüße Katinka

    Gefällt 1 Person

    • pluripara schreibt:

      Liebe Katinka, vielen lieben Dank für deinen wunderbaren Kommentar! Es hat mich gerührt zu lesen, was du schreibst. Ich fühle mich verstanden und freue mich über dein Kompliment. Ich wünsche euch von Herzen eine erfüllte Stillbeziehung, so lange ihr beide es möchtet. LG Pluripara

      Gefällt mir

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