Blogparade: Wie kann ich meinen Kindern gerecht werden?

Die von mir sehr geschätzte Sarah von Mamaskind hat kürzlich zu einer Blogparade zum Thema „Wie kann ich meinen Kindern gerecht werden?“ aufgerufen.

Joar, ne. Das ist ja quasi mein Dauerthema.

Da gründest du eine Familie und kommst irgendwann an den Punkt: „Toll. Ich hab jetzt Kinder. Das ist so schön. Und so anstrengend. Und manchmal weiß ich gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Ich möchte ja so viel. Und die Kinder auch. Ich will das alles gut machen und alle sollen zufrieden sein und ich hab nicht den Hauch einer Idee, wie ich das so umsetzen kann, ohne dass ich irgendwelche Bedürfnisse hintenüber kippen lasse.“

Ich veranschauliche das gern mal an einem Alltagsbeispiel. Ist natürlich frei erfunden *chrchrchr*

Das Erstgeborene trudelt vom Kindergarten nach Hause ein. Das Kind ist rotwangig und ein bisschen durch den Wind und es verlangt bittegernesofort auf den Spielplatz zu gehen und verschnaufen oder etwas essen ist überbewertet. Die Mutter spürt ein nervöses Lidzucken, da sie nämlich noch zwei weitere Kinder hat, von denen das eine gerade etwas nölig wird, weil es eine volle Windel hat und das andere an die Brust möchte, und zwar pronto. Um nun allen Kindern gerecht zu werden, bedarf es eigentlich den Qualitäten eines Oktopus, aber wir wollen ja realistisch bleiben und das ist hier der Alltag. Natürlich müssen Kinder auch lernen zu warten und Rücksicht zu nehmen, aber sind wir doch mal ehrlich: Klar müssen sie warten, aber mit welcher Stimmung dies geschieht, steht auf einem anderen Blatt. Gehen wir in diesem konkreten Falle davon aus, dass es sich um eine Mutter handelt, die trotz einer gewissen Übung nicht so besonders gut aushalten kann, wenn um sie herum unglückliche, zeternde Kinder herumhopsen. Die Mutter möchte also dem Kind den Wunsch erfüllen, auf den Spielplatz zu gehen und vertröstet es auf eine Viertelstunde. Das Kind rantert. Die Mutter wechselt Kind2 die Windel und legt daraufhin Kind3 an die Brust, um dann die Tasche zu packen und sich mit den Kindern auf den Weg zu machen. Alle Kinder sind im besten Falle zufrieden. Aber ratet mal, wer jetzt rotwangig und ein bisschen durch den Wind ist? Jep.

Worauf ich hinaus will: Ich erlebe es ganz oft, dass mein Alltag von den Kindern dominiert wird. Ich bin in Dauerschleife damit beschäftigt, meine Kinder und ihre Bedürfnisse zu sehen und mich an ihnen zu orientieren.Das Problem ist aber, dass bedürfnisorientierte Elternschaft nur rundum funktionieren kann, wenn ich auch meine Bedürfnisse und die meines Partners im Auge behalte.

Ich habe bereits in einem anderen Blogartikel darüber berichtet, wie wir unseren Alltag organisieren. Da wird deutlich, dass wir unsere Woche recht streng durchplanen und jeder zu seinen Exklusivzeiten kommt. Im Moment geht diese Planung ganz gut auf, wir werden uns aber noch einmal umstellen müssen, wenn die Zwillinge etwas größer werden. Zur Zeit sind die beiden am liebsten zusammen, aber es werden auch Zeiten kommen in denen sie autonomer werden und auch mal Mama oder Papa ganz für sich allein haben möchten. Das ist in Ordnung und wir werden unsere Planung dahingehend ausrichten.

Zur Zeit ist es bei uns so, dass das Goldkind immer noch wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommt als die Zwillinge. Er hat phasenweise noch recht stark mit Eifersucht zu kämpfen und wenig Verständnis dafür, dass er seine Bedürfnisse auch mal hinten anstellen oder eben warten muss. Das liegt zum einen an seinem Alter, zum anderen an seinem Charakter und seiner bisherigen Sozialisation. Das Goldkind war nämlich bis zu der Geburt der Zwillinge „the one and only“, lang gewünscht und von uns und seinen Großeltern ersehnt. Das prägt natürlich. Und dann kamen da Knall auf Fall gleich zwei Geschwister, mit denen er vor allem seine Eltern teilen musste. Dazu möchte ich übrigens unbedingt auf den Artikel vom gewünschtesten Wunschkind zum Thema Entthronung des Erstgeborenen verweisen, was ich für das absolut Lesenswerteste halte, was es zu diesem Thema gibt. Wir stehen genau deshalb dahinter, dem Goldkind seine 110 oder 120% Aufmerksamkeit zu geben.

Die Zwillinge laufen (Achtung Phrase!) häufig so mit. Hört man ja öfter von den nachfolgenden Geschwisterkindern. Im Moment funktioniert es insofern gut, als dass sie alles was ihr großer Bruder macht, sehr spannend finden und noch keine Einwände haben, dass er diktiert wohin es geht. Zoo oder Spielplatz, alles klasse. Schwierig wird es sicher, wenn auch die beiden ihre eigenen Vorstellungen kommunizieren. Dazu hab ich aber aktuell noch keine Idee und kann noch nicht sagen, wie wir uns dann aufstellen werden. Da hilft vermutlich nur Verhandeln und Kompromisse schließen. Aber auch wenn ich denke, dass dies nicht immer einfach ist und sein wird, bin ich nach wie vor der festen Überzeugung, dass dies eine Qualität von Geschwisterbeziehungen ist. Sie müssen lernen, dass auch die Schwester oder der Bruder Bedürfnisse hat, auf die wir eingehen möchten und dass man Rücksicht aufeinander nimmt.

(Gebt ihr mir das bitte in ausgedruckter Form, wenn ich in zwei Jahren am Rande eines Nervenzusammenbruchs bin, mit fusselig gequatschten Lippen?)

Ich kämpfe auch ganz stark dafür, dass auf meine Bedürfnisse und die meines Mannes Rücksicht genommen wird.

Ich möchte beispielsweise in Ruhe essen. Ich gehe gern den ganzen Tag auf die Wünsche meiner Kinder ein, aber ich möchte ungestört meine Mahlzeit einnehmen, ohne Geschrei und fünfmal aufstehen, weil jemand irgendetwas möchte. Es ist mir ein Grundbedürfnis, da ich schlechte Laune und Bauchschmerzen bekomme, wenn ich mein Essen entweder ständig unterbrechen oder hastig hinunterschlingen muss. Wer nicht essen mag, kann gerne aufstehen und spielen gehen. Aber ich mag dann weder ein Buch vorlesen, noch aufstehen um den Sandkasten zu öffnen, noch mir die Ohren volljammern lassen, dass die Zucchini nicht schmeckt. Ich fühle mich überhaupt nicht schlecht dabei, weil ich denke, dass auch das bedürfnisorientiert ist und ich meinen Kindern damit ganz sicher nicht zuviel zumute. Das ist gerade ein echter Lernprozess für alle und ich muss manchmal zehnmal hintereinander sagen: „Ok, aber ich esse jetzt. Später gern.“. Das Goldkind ist gerade im Begriff das zu akzeptieren. Es ist ganz süß, da er zwischendurch schon mal fragt: „Mama aufgegessen?“. Und auch ich muss lernen, für meine Bedürfnisse einzustehen ohne schlechtes Gewissen.

Es ist ein bisschen wie im Flugzeug, wenn die Sicherheitshinweise kommen. Da wird man angehalten, im Falle eines Druckverlustes sich zunächst selbst die Sauerstoffmaske aufzuziehen und erst danach den anderen zu helfen. Wenn ich mich erst um die anderen kümmere, ist das fein und nobel. Blöderweise könnte ich aber ziemlich auf der Strecke bleiben.

Ich kann nicht permanent allen gerecht werden, wenn ich mich selbst dabei übergehe.

Und vielleicht ist es auch in Ordnung, wenn ich mal nicht allen gerecht werde. Vielleicht kann ich meinem Kind erklären: „Ich glaube, du hast dir das anders vorgestellt und du bist enttäuscht. Aber ich habe bemerkt, dass es dir wichtig ist in den Zoo zu gehen und ich verspreche dir, dass wir das machen werden. Lass uns besprechen, wann es sein wird.“

Es hat etwas mit Anspruchshaltung zu tun. Es ist gut, gewisse Ansprüche an sich selbst zu haben. Dennoch glaube ich, dass es mir und auch vielen anderen Müttern und Vätern gut tun würde, sich ein kleines bisschen zu entspannen und sich weniger unter Druck zu setzen, alles perfekt machen zu wollen.

Ein wenig mehr Gelassenheit, ein Prise mehr Zuversicht und das Vertrauen, auch mal gewisse Dinge aus der Hand geben zu können, um den Alltag zu entschleunigen und vor allem den Grundbedürfnissen unserer Kinder gerecht zu werden, ihnen Liebe, Nähe und Zugewandtheit zu vermitteln.

Herzlichst

Pluripara

 

 

 

8 Gedanken zu “Blogparade: Wie kann ich meinen Kindern gerecht werden?

  1. Vere Mami Rocks schreibt:

    Wieviel Abstand ist bei euch zwischen erstem und Zwilingen? Bei uns sind es 16 Monate. Ich kann alles 100 % nachfühlen, was du schreibst. Ich habe es nicht immer gut hinbekommen mit sovielen Bedürfnissen ruhig und gelassen zu bleiben bis jetzt nicht imer, auch wenn die eigenen Bedürfnisse allmählich wieder mehr Raum bekommen. LG Verena

    Gefällt 1 Person

    • pluripara schreibt:

      Hallo Verena, bei uns sind es 21 Monate Altersabstand. Ich bin auch nicht immer ruhig und gelassen, aber ich nehme mir ganz oft vor, es zu sein. 🙂 Der Rest ist eine Frage von Übung und Tagesverfassung, glaube ich. Danke für deinen Kommentar. Ich freue mich über dein Feedback!

      Gefällt 1 Person

  2. Sarah (mamaskind.de) schreibt:

    Liebe Pluripara,
    ein krass guter Beitrag! Und du hast mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. (Dabei meine ich nicht nur die Stelle, an der du mich als „sehr geschätzt“ bezeichnest. 😀
    Das mit dem Oktopus kommt mir sehr bekannt vor, obwohl wir verträglichere Altersabstände haben. ^^
    Vielen Dank für’s Schreiben, ich teile das gerne noch auf Facebook.
    Es sollten viel mehr Leute darüber schreiben, dass es eben doch schwierig ist, allen gerecht zu werden. ❤
    Liebe Grüße
    Sarah

    Gefällt 2 Personen

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