Fernsehfrei leben?! Unser Weg zum Leben ohne Glotze

Eigentlich fällt es auf den ersten Blick gar nicht mal so auf. Eine große Tafel mit Wochenplan und Kinderzeichnungen, große selbstgemalte Bilder, ein Schaukelpferd aus Holz…

Gemütlich, sagen die meisten Menschen, die uns besuchen. Vielleicht etwas chaotisch, weil man merkt, dass hier mehr Kinder als Erwachsene leben. Auf den zweiten Blick folgt: Moment mal, hier fehlt doch was.

„Habt ihr keinen Fernseher?“

Doch, den haben wir. Er steht im obersten Stockwerk und staubt vor sich hin. Es spielt keine Rolle, ob er da ist oder nicht. Er wird nicht genutzt.

In der Schwangerschaft mit den Zwillingen sah ich recht viel TV, weil ich zu müde, träge und faul war, um etwas anderes anzufangen. Mein Mann und ich waren beide unzufrieden. Wie oft schalteten wir spät am Abend den Fernseher aus, überdrüssig von dem hirnlosen Blödsinn, den wir dort wieder konsumiert hatten. Am nächsten Tag hätte man mich fragen können, was ich geschaut habe und ich hätte es oftmals gar nicht beantworten können. Den privaten Sendern hatten wir da schon seit Jahren abgeschworen, da wir weder Inhalte noch die ständigen Werbeunterbrechungen ertragen konnten. Tagsüber lief bei uns der Fernseher allerdings nie.

20170529_211808

Dann zogen wir kurz vor der Entbindung in unser jetziges Zuhause. Mehr aus einem Impuls heraus fragte ich meinen Mann, ob wir den Fernseher nicht aus dem Wohnzimmer, unserem Lebensmittelpunkt, verbannen wollen. Er war begeistert und willigte sofort ein.

Da kurz darauf unsere Zwillinge auf die Welt kamen, waren wir so beschäftigt, dass wir sowieso keine Zeit zum Fernsehen gehabt hätten. Das war auch gut so, denn die Wahrheit ist, dass ich sogar sehr gerne fernsehe. Vielleicht hätte ich Entzugserscheinungen gehabt und abends um 20:15 Uhr den Herzensmann gezwungen, den Apparat noch herunterzuschleppen und anzuschließen. Nicht auszudenken.

Der Sommer nahte und die EM stand vor der Tür. Das Goldkind schlief am Abend und wir schauten, beide je schuckelnderweise mit einem Baby auf dem Arm, auf dem Laptop die Spielübertragungen. Das war ok. Wir waren im Babyausnahmezustand und genossen Zerstreuung. Es gab uns das Gefühl, noch ein bisschen von der Welt da draussen mitzubekommen. Nach der EM wieder Fernsehpause. Und unser Fernsehkonsum regulierte sich entsprechend.

Mittlerweile sind wir zwar nicht komplett fernsehfrei, aber auf einem guten Weg. Wir haben Phasen, in denen es ein bisschen einreißt, weil wir erschöpft sind und uns ganz bewusst nur berieseln lassen wollen. Meistens sehen wir dann einen Tatort, weil wir Krimis mögen und weil ich mit keinem so herumblödeln kann, wenn das Drehbuch oder die Schauspieler mies sind, wie mit meinem Mann. Wenn ich am Tage so mit den Kindern beschäftigt war, dass ich kein Radio hören konnte, sehen wir die Tagesschau und schalten danach wieder ab. Spannend finden wir Dokumentationen auf Arte über Kunst, das ist ein Thema was uns gleichermaßen interessiert und über das wir uns gern austauschen.  Wir sehen uns diese Sendungen dann über die Mediathek online an, das ist etwa einmal bis zweimal im Monat der Fall. Schön wäre es, wenn wir unseren Konsum aber noch weiter herunterschrauben könnten. Für mich wäre das ein weiterer wichtiger Schritt Richtung „Bewusst leben“.

Netflix wäre genau unsere Kragenweite, aber wir haben uns bewusst dagegen entschieden, damit wir nicht so viel davor hängen.

Ich habe nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn die Rede vom Bachelor, GNTM oder dem Dschungelcamp ist. Ich habe seit Jahren keine Fernsehwerbung mehr gesehen. Das ist wirklich kein Verlust.

20170529_211833

Unsere Kinder möchten wir übrigens gerne so lang es geht fernsehfrei erziehen. Komplette Verbote finde ich hirnrissig. Uns ist im Kern wichtig, dass unsere Kinder nicht kritikfrei konsumieren. Ich finde es auch schön, wenn man als Familie gemeinsam einen Film sieht. Nur sollte eben der Fernseher nicht nonstop laufen, sondern eher eine ganz ganz verschwindend kleine Rolle im Familienleben spielen.

 

Herzlichst

Pluripara

 

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Fernsehfrei leben?! Unser Weg zum Leben ohne Glotze

  1. freudenwege schreibt:

    Ein Leben ohne Fernseher ist für mich normal! Noch nie lebte ich in einem Haushalt, wo es ein solches Gerät gab. Schön zu lesen, dass andere Menschen auch ohne auskommen. Mir fehlt wirklich nichts! 🙂
    Liebe Grüße
    Julia

    Gefällt mir

  2. Vere Mami Rocks schreibt:

    Hallo! Wir haben es genauso gemacht! Gute Entscheidung, man verpasst echt nichts. Wir haben gar keinen Fernseher und wählen für die Kids, jetzt 2 x 6 und 1 x 8 bewusst Filme auf Youtube oder Stream. Keine Werbung, kein Konsumzwang, freie Programmwahl toller alter Kinderfilme!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s