Du hast wohl zu viel Zeit!

Ein paar Tage ist der Blog jetzt online und es macht mir wirklich viel Spaß. Der Herzensmann fragt freudig täglich nach, wie es läuft und hilft mir, wenn ich nicht weiterkomme. (Danke! Du bist großartig)

Was mich jedoch beschäftigt, sind die verschiedenen Reaktionen auf das Bloggen. Die absolute Mehrzahl meiner Freunde und Bekannten haben ganz toll reagiert. Mir wurde Mut gemacht und ich freue mich über die Unterstützung wahnsinnig!

Aber dann gibt es auch vereinzelt Kommentare, die mich irritiert zurück lassen.

„Aha. Du bloggst jetzt? Na du musst ja Zeit haben.“

Es ist mir ein Bedürfnis, mich dazu zu äußern, nämlich so: NEIN. Habe ich nicht. Ich habe absolut zu wenig Zeit. Vor allem für mich. Genau deshalb gibt es diesen Blog.

Ich schreibe, damit ich nicht unsichtbar werde. Unsichtbar vor lauter Muttersein und Pflichten und Verantwortung. (Und ich möchte betonen, dass ich meine Kinder liebe. Ich habe sie mir allesamt gewünscht und meine Familie geht mir über alles. Es hat damit rein gar nichts zu tun. Ich bin eine glückliche Frau!)

Dennoch: ich habe sehr lang sehr selbstbestimmt gelebt. Ich habe es genossen und es war eine gewaltige Umstellung für mich, Mutter zu werden. Ich musste lernen, mich zurückzunehmen, meine Bedürfnisse ganz nach hinten zu schieben. Da waren Tage, an denen ich es nicht schaffte, mich zu duschen und nur ein Brot im Stehen in der Küche aß, ohne Butter, weil ich ein Kind hatte, das sich nicht ablegen ließ.

Dann die zügige Umstellung von einem auf drei Kinder. Große Freude, aber noch mehr Bedürfnisse, die ich wortwörtlich zu stillen hatte, noch weniger Zeit für mich und für uns als Paar.

Ich bin ein Mensch, der immer gerne aktiv war und Dinge geschaffen hat, durch Malen, Nähen oder eben Schreiben. Das Malen mache ich seit kurzem wieder sporadisch, wenn sich die Umstände ergeben. Das Nähen fällt völlig hinten über, da mein jüngstes Kind einen leichten Schlaf hat und von der Nähmaschine aufwacht. Also habe ich angefangen zu schreiben, das ging geräuschlos, war in Etappen möglich und ich konnte mich sortieren. Es hatte für mich Erholungswert. Auf die Idee, einen Blog ins Leben zu rufen, brachte mich dann meine Freundin Gemischtwaren . Sie bot mir nicht nur ihre Hilfe an, sondern gab mir nachhaltig das Gefühl, dass das, was ich zu sagen hatte zu den Themen Familie, Miteinander, Achtsamkeit und Beziehung wichtig ist. Ich habe dann sicherlich noch ein halbes Jahr darüber nachgedacht und es immer wieder mit dem Herzensmann besprochen. Auch er machte mir Mut.

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MM- Muttis Müßiggang oder so…wie wir unseren Alltag organisieren, damit keiner zu kurz kommt, folgt im nächsten Artikel.

Und nun habe ich mir ein Herz gefasst und es tut mir so gut! Jede einzelne Nachricht, jede Rückmeldung, jeder Kommentar macht mir Freude. Ich bin noch sichtbar.

In meinem vollgepackten Alltag schreibe ich grundsätzlich nur dann, wenn die Kinder schlafen. Da ist meist in den Mittagsstunden oder abends. Der Vorteil ist, dass ich Texte zwischenspeichern und daran weiterarbeiten kann, wenn es meine Zeit erlaubt. Das erklärt auch meine sonstigen Aktivitätenwellen bei anderen sozialen Plattformen. Ich schreibe, wenn meine Kinder mich gerade nicht brauchen. Ansonsten haben die drei Priorität, sowie natürlich der Herzensmann. Da er aber auch oft noch abends arbeiten muss, gleicht sich das gut aus.

Diesen Artikel schreibe ich trotzdem mit gemischten Gefühlen. Denn eigentlich finde ich es traurig, dass ich mich als Mutter in Elternzeit dafür rechtfertigen muss, so ein Projekt zu starten.

„Naja, du hast ja auch nur die Kinder“

Auch so ein Satz, der gesessen hat. Es stimmt, dass ich ein gut aufgestelltes Netzwerk habe und an verschiedenen Stellen Hilfe habe. Ich musste lernen, danach zu fragen. Das ist mir lange sehr schwer gefallen. „Nur“ die Kinder zu haben, impliziert aber auch, dass man eine leichte Aufgabe hätte. Ich finde das schlichtweg unverschämt. Ganz ehrlich: Kinder großziehen ist der härteste Job, den ich je hatte. Und es gibt diese Tage, an denen ich meinen Mann beneide, dass er zur Arbeit fahren kann und dort Gespräche führt mit Erwachsenen über Themen jenseits von Kindern. Dann bin ich es leid, Windeln zu wechseln, zum zwölften Mal die „Wichtelkinder“ vorzulesen und unermüdlich Bauklötze zu stapeln. Ich will damit den Stress, den mein Mann auf der Arbeit erlebt, nicht kleinreden. Wir haben den gleichen Beruf, ich kenne die Belastung, die er zusätzlich trägt. Aber es ist eine andere Form von Stress. Rund um die Uhr Kinder betreuen ist anstrengend und kann gleichzeitig langweilig sein. Es ist kurios!

Alle Mütter und Väter, die jeden Tag ihr Bestes geben, verdienen Anerkennung. Sie leisten wertvolle und wichtige Arbeit. Ich finde, das kann nicht oft genug gesagt werden, auch wenn man das Gefühl bekommt, es verkommt zu einer Phrase. Diese Wertschätzung darf nicht verloren gehen.

Vielleicht kann ich mit diesem kleinen Blog erreichen, dass sich irgendwer da draussen verstanden fühlt. Oder eine Anregung bekommt. Die Kinder und den Partner einmal öfter küsst als gewöhnlich. Der Freundin etwas Nettes sagt. Sicht nicht alleine fühlt. Umdenkt. Lächelt. Ein bisschen sichtbarer wird. So wie ich.

Herzlichst

Pluripara

4 Gedanken zu “Du hast wohl zu viel Zeit!

  1. MB schreibt:

    Also ich finde diesen Blog wirklich toll! Ich verfolge es mit vollem Interesse und finde Deine Artikel toll!
    Ich selbst habe keine Kinder und kann mir so nicht im geringsten Vorstellen wieviel „Arbeit“ dieser „Job“ macht! Allerdings bin ich ein Mensch und ich kann sehr gut nachvollziehen das Mütter, Väter, Frauen, Männer, Brüder, Schwestern, Tanten, Onkel, Chefs oder, oder, oder auch Zeit für sich brauchen. Jeder braucht, egal was er den ganzen Tag macht einen Ausgleich! Zeit für Achtsamkeit – Du selbst sein. Dich macht das Schreiben glücklich… Die einen machen Yoga, die anderen Backen, einige Nähen, manche machen Fingernägel, wieder andere liegen mit Ihrem hintern auf der Couch und schauen in die Glotze – jeder sei der Schmied seines Glücks Mach weiter so…. Ich bin stolz auf Dich!!!

    Gefällt mir

  2. Mi schreibt:

    „Du hast ja auch nur die Kinder“- diese Aussage macht mich fassungslos!
    Ein kleines Kind Vollzeit zu betreuen ist schon wirklich anstrengend. Es schenkt ungeahnte Glücksmomente und -gefühle, aber es bringt einen auch manchmal an die eigene Grenze. Drei kleine Kinder zu betreuen ist eine ungeheure Aufgabe und ich habe großen Respekt vor dir und dem, was du tagtäglich leistest.
    Dass du dabei auch immer wieder kleine Auszeiten oder Momente für dich brauchst, in denen du auftanken kannst, finde ich selbstverständlich. Und wenn das Schreiben Dir gut tut, ist es doch toll, wenn du das immer wieder in deinen Alltag integrieren kannst!

    Gefällt 1 Person

  3. Felino schreibt:

    Ich bin verzaubert von so vielen ehrlichen Eindrücken. Rund im ganzen Blog. Eine Rechtfertigung ist nicht nötig, wenngleich Mensch oft das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen.
    Weiter so! Mit all dem, was es dir gibt, tollen Bildern, wahrhaftigen Gegebenheiten und vorallem Freude. Ein wichtiger Begleiter im Leben!

    Gefällt 1 Person

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