Alltagsorganisation: Wochenplan

Wenn man in unser Wohnzimmer kommt, fallen einem gleich zwei Dinge auf: ein unbeschreibliches Chaos, welches drei Kinder unter drei Jahren veranstaltet haben und unsere große Tafel neben dem Esstisch. Das Chaos wird von den meisten Besuchern höflich übersehen oder sie haben sich, je nach Häufigkeit ihres Erscheinens, bereits daran gewöhnt. Die Tafel jedoch wird mit großem Interesse betrachtet und kommentiert.

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Schiefe Schrift deutet meist auf ein am Rockzipfel ziehendes Kleinkind hin

Best of:

  1. Oh! Lecker! Ich komme Donnerstag, Samstag und Sonntag!
  2. Was ist das denn? Ein Wochenplan? Das ist ja cool. Wie macht ihr das genau?
  3. Was bedeutet Adeliges?
  4. Was bedeutet Rumfort?

Und da das Interesse stets so groß ist und der Wochenplan mittlerweile in unserer Familie gar nicht mehr wegzudenken ist, verdient er einen eigenen Blogartikel.

Die Entstehung

Der Wochenplan entstand, man muss es fairerweise sagen, aus einer Not heraus. Ich hatte ein kleines Kind und einen unfassbar dicken Bauch, indem ich die Zwillinge herumtrug. Wir wohnten in einer sehr stufenlastigen Wohnung und mir fiel es von Tag zu Tag schwerer, mich zum Einkaufen aufzuraffen. Irgendwann sagte ich zum Herzensmann, dass wir uns anders organisieren müssten. Mir fehlte schlichtweg die Kraft. Der Plan war also, nur noch einmal die Woche einzukaufen, dafür dann aber soviel, dass es für die ganze Woche reichte. Also her mit dem Einkaufszettel.

Die Umsetzung

Ich gebe es zu, es erfordert ein wenig Übung, aber mit der Zeit hat man es ganz gut raus, den Wochenplan zu gestalten. Bei uns läuft das so ab:

Freitag ca. 18 Uhr (mittlerweile ist es Mittwochs, ich möchte den Wochenendansturm vermeiden)

Ich: „Liebe Familie, ich mache den Wochenplan. Irgendwelche Wünsche?“

Goldkind: „Pizza!“

Herzensmann: „Ich esse alles gern.“ (Hab ich ein Glück??)

Zwillinge: „Brapbrapbrapppp“.

Und dann sitze ich dort, wahlweise mit kühlem Getränk oder Kaffee und nehme mir ein großes Blatt zur Hand. Oben schreibe ich die Wochentage hin, unten ist der Bereich Einkaufszettel. Ich schaue nach, was wir in der kommenden Woche in der Biokiste geliefert bekommen. Zusätzlich studiere ich das Angebotsblättchen vom Supermarkt unseres Vertrauens. Neben mir das Goldkind, welches ebenfalls einen Wochenplan „schreibt“ und inzwischen schon auf dem Schirm hat, was wir immer brauchen und mich daran mehr oder weniger dezent erinnert. („Mama! Butta! Sokoaade! Gauda!“)

In der Biokiste ist Salat? Gut, wird für den Tag der Lieferung eingeplant, der muss frisch gegessen werden. Fenchel? Hält sich länger und kann ans Ende der Woche gelegt werden.

Neben mir befindet sich ein Stapel Kochbücher und Zeitschriften, die mich inspirieren sollen. Und dann immer schön drauf los geplant.

(Tipp: Bist du ein Kochbuchsuchti, so wie ich, dann schreibe dir gleich neben den Wochenplan, in welcher Ausgabe und auf welcher Seite das Rezept war. Was hab ich schon fluchend die Schupfnudelpfanne gesucht, wenn ich sie gerade brauchte!)

Was uns wichtig ist

Man muss es vorab sagen: Essen – nein- gutes Essen spielt bei uns eine sehr große Rolle. Der Herzensmann und ich kommen aus Familien, in denen seit jeher sehr gut und frisch gekocht wurde. Als wir noch keine Kinder hatten, haben wir total viel ausprobiert und das Kochen zelebriert. Das ist mit Kindern ein bisschen eingeschlafen, aber es ist uns extrem wichtig, dass wir weiterhin gut essen. Fertiggerichte mögen wir nicht, das Äußerste sind Fischstäbchen aus dem Biomarkt. Ansonsten kaufen wir viele Bioprodukte, möglichst regional und saisonal. Wir essen nach Möglichkeit wenig Fleisch, vielleicht einmal die Woche, wir finden das reicht. Das Fleisch am liebsten auch vom Biometzger. Wenig Fleisch zu essen, aber dafür in guter Qualität und hoffentlich aus guter Haltung, ist für uns wichtig. Das Essen muss kindgerecht sein (Spargel oder Champignons heben wir uns auf für die Tage, an denen das Goldkind bei Oma und Opa isst). Wir versuchen maximal viel Gemüse in die Kinder hinein zu bekommen. (Dazu schreibe ich bestimmt nochmal einen eigenen Blogartikel- hehe!). Und es muss zügig gehen. Kürzlich wollte ich so gerne mal wieder Schwarzwurzeleintopf essen. Joar. War lecker. Aber die Zubereitung…lassen wir das.

Liest sich nach Supermutti? Mitnichten! Ich bügele dafür nicht. Niemals. Alles eine Frage der Prioritäten.

Vor- und Nachteile des Wochenplans

Pro:

  • nur noch einmal in der Woche einkaufen
  • man muss sich keine Gedanken mehr machen, was man heute/morgen kocht, ein Blick auf den Plan und alles ist klar
  • abwechslungsreicheres Essen (früher gab es viel öfter die Stammgerichte, weil mir auf die Schnelle nichts einfiel)
  • man gibt weniger Geld aus (zumindest wenn man wie ich in den Supermarkt rennt, weil einem für das Essen noch Sahne fehlt. Man kauft Sahne. Und Joghurt, Erdbeeren, Mandeln, und oh! die Kekse sehen aber auch lecker aus. Wer kennts?)
  • weniger Lebensmittel werden weggeworfen, weil fast alles kalkuliert wird. Das sollte ein nicht unwesentlicher Punkt sein

Contra

  • irre Schlepperei, bei einem großen Wocheneinkauf
  • es erfordert eine gewisse Disziplin, sich ranzusetzen und alles aufzuschreiben
  • manche äußern das Problem, dass sie ja vielleicht an dem jeweiligen Tag keine Lust auf das geplante Essen haben (guter Einwand, haben wir aber nie, weil wir erstens total verfressen sind und zweitens eh nur Sachen planen, auf die wir uns dann freuen)

Das Argument, dass es zu Verschiebungen kommen kann, weil man ja manchmal nicht weiß, wieviel übrig ist (äh..wie war das mit dem verfressen?) oder was auch immer dazwischen kommt, kann ich nachvollziehen. Dazu sei soviel gesagt:

Es ist ein Plan, aber der muss nicht sklavisch eingehalten werden. Ich plane von vorne herein Restetage ein, an denen die Sauce vom Vortag gelängt wird. Das nennt sich Adeliges: von gestern. Dazu gibt es auch Puffertage, da findet man unsere geliebte Rumfortmethode. Alles wird in den Eintopf, die Quiche oder Frittata geworfen, was rumsteht und fort muss. Zuviel übrig? Kein Problem, frieren wir ein. Meiner Meinung nach lässt sich fast alles einfrieren und wenn der Monat lang ist und die Kreativität begrenzt, zahlt sich das aus.

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Türkische Pizza

Und wenn es doch mal nicht hinhaut- who cares? Wer meine Wochenpläne kennt, weiß, dass sich oft Sachen in die nächste Woche schieben. Opa hat zur Lasagne eingeladen oder es gab doch nur ein Brot, weil keiner Lust hatte zu kochen..kommt vor.

Wenn der Plan steht, wird er auf unsere große Tafel geschrieben, unterstützt vom Goldkind, welches sich im unteren Bereich mit Kreide verwirklicht.

Die Tafel ist übrigens das Kopfteil vom Ikea Malm Bettgestell. Das haben wir dreimal mit Tafelfarbe angestrichen. Ikea Hack!

Vielleicht ist es ja für euch eine Inspiration, euren Alltag stressfreier zu gestalten.

Herzlichst

Pluripara

PS. Ich widme diesen Blogartikel unserem großartigen Kinderarzt Dr. S. aus K. , welcher sich bei jedem Hausbesuch freut,den Wochenplan zu studieren, ihn fotografiert und seiner Frau schickt.

Ein Gedanke zu “Alltagsorganisation: Wochenplan

  1. Tante Emma schreibt:

    Ich glaube, 1 bis 3 habe ich garantiert auch gesagt. 😉

    Witzig ist, dass ich für heute auch einen Beitrag über den Wochenplan habe. Nur kurz, aber trotzdem ein witziger Zufall.

    Unser Dr. S… der Knaller! Liebe Grüße auch von mir an dieser Stelle. Der wird sich freuen, wenn die nächste Muddi bloggt.

    Gefällt mir

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