Zähne putzen, Hände waschen, ab ins Bett?

 

Klingt so schön einfach, aber die Realität sieht anders aus.

Drei Kinder unter drei Jahren ins Bett bringen, das wird an manchem Tag zur Herkulesaufgabe. Da für uns die Einschlafbegleitung wichtig ist und wir möglichst allen Kindern gerecht werden wollen, erfordert es eine Menge routinierter Abläufe.

Aber der Reihe nach…

Warum Einschlafbegleitung?

Wir haben schon beim Goldkind (unserem Erstgeborenen) von Anfang an einschlafbegleitet. Es war für uns unvorstellbar, so ein kleines Menschlein ins Bett zu legen und ihn allein einschlafen zu lassen. Oder auch: es war für das Goldkind unvorstellbar auch nur eine Minute ohne Mama oder Papa im Bett zu liegen und womöglich alleine einzuschlafen. (So sieht das nämlich aus! Ha!). Und schreien lassen war für uns zu keinem Zeitpunkt eine Option. Auch Schlafprogramme im Stil von „Jedes Kind kann schlafen lernen“ waren und sind in unseren Augen keine Alternative.

Also rein in die Heia. Und kuscheln, Händchen halten und leise summen, was das Zeug hält.

Warum handhaben wir das so? Die Antwort kommt von Herzen und liest sich nicht neu. Ich habe das Kind 40 Wochen unter dem Herzen getragen und dass es, frisch auf der Welt, keinerlei Absichten hat plötzlich allein zu schlafen, ist doch eigentlich verständlich.

Das Goldkind wird im Sommer drei Jahre alt und wird immernoch einschlafbegleitet. Und er braucht das! Er fordert diese exklusive Kuschel/Erzähl/Vorlesezeit ein und wir geben sie ihm, damit er entspannt einschlafen kann.

Einschlafbegleitung: Fluch und Segen

Liest sich schön, oder? Kann aber an manchen Abenden auch ätzend sein. Du möchtest noch mit deiner Freundin telefonieren, den Tatort gucken, unbedingt dem Mann was erzählen, endlich ungestört die Joghurtschokolade einatmen oder die Babymütze fertignähen. Und das Kind schläft nicht. Es macht überhaupt keinerlei Anstalten dazu. Es hat nicht mal schwerfällig geblinzelt. Deine Augen hingegen werden schwerer und schwerer. Ramdösig liegst du neben dem Kind und versuchst es durch Gedankenübertragung („Du wirst müüüüde..so müüüüüde!“) ins Traumland zu bewegen.

Manchmal mischt sich ein bisschen Wut in die Gedanken hinein. („Verdammte Hacke, was muss ich eigentlich noch alles am Tage mit dir unternehmen, damit du endlich schläfst? Ich will Feierabend haben!!!“)

Mein Mann und ich haben auf jeden Fall schon Stunden damit zugebracht, unsere Kinder in den Schlaf zu begleiten. Wir sind nicht selten mit vor den Kindern eingeschlafen oder kamen irgendwann völlig hinüber mit zerzausten Haaren ins Wohnzimmer gewankt. Ist schwer, sich dann noch zu motivieren, etwas Sinnstifendes zu machen. Jaja.

How to survive the Einschlafbegleitung

Von Überleben kann natürlich keine Rede sein, aber mal ehrlich: so schön es ist, so quälend ist es kann es an manchen Abenden sein. Daher:

  1. Rituale vor dem Schlafengehen sind wichtig und werden von unseren Kindern überaus geschätzt. Das muss jede Familie ganz individuell gestalten. Alles ist erlaubt, solange es allen damit gut geht und die Rituale eben auch eingehalten werden. Pflege den inneren kindlichen Monk!
  2. Vorlesen ist eine extrem gute Einschlafbegleitung. Wir wählen die Abendlektüre mit Bedacht. Nicht geeignet sind Bücher mit Gruselfaktor (Und das kann je nach Kind schon eine Geschichte sein, in welcher ein dunkler dunkler Wald vorkommt) oder Action („und er sprang mit lauten Getöse *paaaam* über die Baustellenabsperrung, während die Menschen hinter ihm riefen:“Tu es nicht! Tu es nicht!“). Man vermeide auch zu betontes Lesen oder starke Schwankungen in der Lautstärke. Die können auch recht belebend sein. Solltest du ein sehr aufmerksames Kind haben, vermeide ebenfalls, Textstellen zu verändern oder etwas wegzulassen oder dazu zu erfinden. Vertrau mir. Lass es einfach.
  3. Vom Tag erzählen: an manchen Abenden hat das Kind viel erlebt oder dich wenig gesehen und muss noch eine Menge loswerden. Festzustellen ist das bei uns meist daran, dass das Goldkind die Buchlektüre permanent mit Fragen unterbricht. Es ist dann sinnvoller, das Buch wegzulegen und dem Kind die Gegenheit zu geben, sich so richtig von der Seele zu quatschen, was da alles los war. Nimm das unbedingt ernst! Stell Fragen! Bekunde Interesse! Oft spürst du regelrecht körperlich, wie das Kind zunehmend entspannt, während es von seinem Tag berichtet.
  4. Ängste nehmen. Monsteralarm unter dem Bett? Hexe im Schrank? Zeit, zu handeln und den Unwesen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Bitte niemals solche Sachen sagen wie: „So ein Quatsch, du spinnst“ oder „Was du dir wieder ausdenkst“. Für unsere Kinder sind diese Ängste real und sie sollten erstgenommen werden. Alle Mittel sind erlaubt. (Sehr bewährt hat sich ein Lavendelspray Hauabspray zur Vertreibung großzügig an die neuralgischen Punkte im Raum versprüht) Aber auch: Kobold mit der Hand fangen und mit Schwung aus dem Fenster werfen, Wutzwerge (nicht die Kinder!!) mit dem Besen rauskehren und dem Monster mal vor der Türe eine richtige deutliche Ansage machen. Weiße Bescheid!
  5. Je nach Begabung kann Singen auch eine sehr schöne und beruhigende Einschlafbegleitung sein. Meine Tochter bevorzugt zum Beispiel „Dreams“ von Stevie Nicks. Aber ganz leise und langsam gesungen. Den Herzensmann habe ich auch schon gemeinsam „Ommmmm“ mit dem Goldkind singen hören. 15 Minuten. Baut super Druck ab.
  6. Der Kuschelfaktor: das Wichtigste überhaupt. Die meisten Kinder, die ich kenne, lieben die Kuscheleinheit mit den Eltern vor dem Schlafgehen. Und wenn es nur Händchenhalten ist, es vermittelt Geborgenheit und gibt dem Kind ein sicheres Gefühl. Stillen kann natürlich ebenfalls eine schöne Einschlafbegleitung sein.
  7. Das Drumherum: stell sicher, dass dein Kind eine Umgebung hat, in dem es sich wohlfühlt. Manchmal sind es schon Kleinigkeiten, die ein entspanntes Einschlafen ewig hinauszögern können: zu hell, zu dunkel, zu warm, zu kalt, falsche Bettseite. Vielleicht fühlt sich dein Kind im Schlafsack unwohl oder es braucht ein Nachtlicht. Bei uns war es mal ein Schlafanzug, der an den Zehen gezwickt hat. Blöd, wenn das Kind es noch nicht kommunizieren kann, da hilft nur das Ausschlußverfahren.
  8. Nach müde kommt albern. Kennt sicher auch jeder, der Kinder hat. Je besser du die Zeichen der Müdigkeit deutest, desto besser läuft das Einschlafen. Timing ist alles und kurioserweise gibt es einen Punkt, an dem das Kind so müde ist, dass es schwer die Kurve zum Einschlafen bekommt. Trotzdem gilt natürlich: ein Kind, welches nicht müde ist, schläft auch nicht. Womit wir beim – äh- na gut, nennen wir es Biorhythmus sind. Es nützt überhaupt gar nichts, dein Kind um 19 Uhr ins Bett zu verfrachten, wenn es grundsätzlich nicht vor 20:30 Uhr einschläft. Es sei denn, Wrestling im Familienbett ist eine Abendgestaltung nach deinem Geschmack. Da ist es sicher besser, die Stunde bis 20 Uhr nochmal anders zu gestalten. Manchmal hilft aber auch der Dreh am Mittagsschlaf. Das ist sicher eine Testphase wert.
  9. Wir sind keine Maschinen. Trotz routinierter Abläufe kann es eben durchaus mal vorkommen, dass man einfach nicht einschlafen kann. Dabei gilt: Kein Drama daraus machen. Ich stelle mir dann vor, wie schrecklich ich es fände, wenn ich nicht einschlafen kann und jemand neben mir schnauzt mich deswegen auch noch an. Furchtbar, oder? Vielleicht gehörst du zu den Glücklichen, die sagen können: „Weißt du was, du kannst nicht einschlafen, das ist nicht schlimm. Schau dir noch ein Buch an oder hör ein Hörspiel, ich bleibe bei dir und lese ein bisschen in meinem Buch.“ So hast du schon ein bisschen Feierabend für dich gewonnen. Das Goldkind hätte dafür nur wenig Verständnis und würde aufs Vorlesen bestehen, aber ich habe mir sagen lassen, das liegt am Alter.
  10. Ruhe bewahren und die Einschlafbegleitung nicht als lästiges Übel vor dem Feierabend sehen. Interessanterweise schläft das Kind so gar nicht ein, wenn ich aufgeregt/angespannt/nervös/wütend daneben liege. Ich sage mal Antennen. Je dringender ich runter ins Wohnzimmer gehen möchte, desto länger dauert es. Irgendwann hab ich angefangen an meiner inneren Einstellung zu arbeiten. Ich versuche alles beiseite zu schieben, was mir im Kopf schwirrt. Ich kuschele mich an mein Kind, atme ruhig und sehe es als qualitytime an. Wie lange wird dein Kind deine Einschlafbegleitung wohl brauchen? Eines Tages kommt der Punkt, an dem du seufzend zurück denkst, an diese Momente der Nähe, die dein Kind irgendwann nicht mehr braucht. Genieße es.

Das ist doch ein schönes Schlußwort.

 

Herzlichst

Pluripara

Ein Gedanke zu “Zähne putzen, Hände waschen, ab ins Bett?

  1. Tante Emma schreibt:

    Genau der Punkt, den Du am Ende ansprichst, ist auch das, was ich immer sage: Wer weiß, wie lange wir noch so intensiv gebraucht werden.
    Und ich WEIß, dass ich das vermissen werde, auch wenn ich jetzt manchmal tatsächlich lieber „Feierabend“ hätte.
    Aber auch mir hilft zu entspannen und es zu genießen. ❤

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